Erfahrungsbericht einer Bankkauffrau

Meine Gedanken zum Einstiegsseminar Soziokratie

Es ist vor allem der eine Satz, der mich seit dem Führungskräfte-Seminar mit Anja nicht mehr loslässt. Er kam von unserem Specialguest Michael Kamenik (Leitung Bausystem-Architektur, CREE GmbH der Rhomberg Gruppe), der mit uns seine Soziokratie-Erfahrungen aus der Praxis teilte. Dazu muss man vielleicht wissen, die CREE GmbH ist seit einigen Jahren soziokratisch organisiert und Michael ist quasi ein Mitstreiter der ersten Stunde. Nun aber zurück zum besagten Satz, er lautete: „Es macht Sinn, den Mitarbeitern zuzuhören!“

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Zuhören?

Aus Sicht eines Arbeitnehmers kann ich das nachvollziehen. Wer möchte seinen Arbeitsplatz nicht mitgestalten, eine Stimme haben, die gehört wird und eine Meinung, die gefragt ist? Warum aber kann ein Vorgesetzter, Geschäftsleiter oder Firmenchef daran Interesse haben?

Allein die Tatsache, dass Zuhören allein auf Dauer vermutlich nicht reichen wird, muss doch abschreckend wirken. Zuhören ohne konsequente Umsetzung wird nicht attraktiv genug bleiben. Oder stellen Sie sich vor, sie sind ein Arbeitnehmer, der zwar regelmäßig nach seinen Ansichten und Meinungen befragt wird, aber auch nicht mehr. Damit meine ich, es passiert nichts in die besprochene Richtung und der Laden läuft wie gewohnt. Ihre Informationen und Ideen versickern ohne Berücksichtigung zu finden. Ihr Vorgesetzter trifft seine Entscheidungen autokratisch. Vermutlich werden Sie als Mitarbeiter irgendwann keinen Sinn mehr darin sehen, Ihren Ansichten Ausdruck zu verleihen. Zuhören zieht demnach einen Rattenschwanz hinter sich her. Es steckt weitaus mehr dahinter und scheint nicht unerheblich Zeit und Ressourcen zu kosten. Und wer hat die schon?

Interessanterweise stellte sich diese Frage so für Michael Kamenik nicht. Im Gegenteil, ihn beschäftigte zu Beginn des Projektes zur Einführung der Soziokratie eher die Frage, wie er seine Mitarbeiter zum Sprechen bringt? Für mich ein vollkommen neuer Ansatz. Offensichtlich gibt es Vorgesetzte, die etwas anders ticken? Offensichtlich liegt nicht jedem Vorgesetzten daran, allein zu entscheiden. Vermutlich, weil zusammen Durchdachtes meist ausgereifter und gemeinsam Getragenes stabiler ist? Ich versuche meine Gedanken zu sortieren und die vielen neuen Informationen aus dem Seminar einzugliedern. Was waren die Argumente, warum Vorgesetzte sehr wohl Interesse an einem soziokratisch organisierten Unternehmen haben könnten?

People support, what they (help to) create

Irgendwo auf einem Seminar-Flipchart stand frei übersetzt, dass Menschen, nur das unterstützen, was sie (zumindest mitgeholfen haben zu) erschaffen. In Zeiten mit einer sehr hohen Mitarbeiterfluktuation und dem ständigen Kampf um die spärlich gesäten und qualifizierten Mitarbeiter sind Treue und Loyalität wirklich wichtige Qualitäten. Mitarbeiter zu haben, die am selben Strang ziehen sind kaum zu bezahlen. Wortwörtlich. Der obige Satz vom Flipchart sagt nicht mehr und nicht weniger als: Es ist für den Vorgesetzten wesentlich, seine Mitarbeiter am Firmenalltag und damit auch an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Effektive Meetings

Ein zweites Argument, das mir einfällt, war: Soziokratisch organisierte Unternehmen sind effizient, in vielen Dingen sogar effizienter als autokratisch geführte. Laut Michael Kamenik steigert Soziokratie und die dahinterstehende Sitzungskultur, das Meetingformat und auch dieTrennung von Information, Meinung und Beschlussfassung in einer Entscheidungsfindung die Effektivität enorm und verkürzt die Sitzungszeiten messbar, vorausgesetzt, die zu entscheidenden Themen und die Teilnehmenden sind gut vorbereitet.

Das klang für mich im ersten Moment utopisch. Es muss doch wahnsinnig viel Zeit in Anspruch nehmen, bis allen Mitarbeitern zugehört wurde und vor allem bis sie der gleichen Meinung sind. Vermutlich ist es in vielen Fällen sogar eher fraglich, ob eine Entscheidung überhaupt getroffen werden kann. Die Philosophie dahinter ist aber eine andere: Es geht gar nicht darum, dass alle der gleichen Meinung sind. Es geht darum, dass keiner dagegen ist. Es geht darum, dass es gut und sicher genug ist, um es zu versuchen. Das nennt die Soziokratie Konsententscheidung (ja, Konsent und nicht Konsens) und dies ist ein Schlüssel zur Effektivität. Dabei fungiert das dahinterstehende Prinzip als wahrer Booster, um Potenziale zu entfalten und zu entdecken. Und das Beste an der ganzen Sache, das Jammern über „die da oben“ ist vorbei. Mitentscheiden und Mittragen heißt auch Verantwortung übernehmen. Aktion statt Reaktion.  

Es funktioniert

Der Begründer der Soziokratischen Kreisorganisation für Unternehmen - Gerard Endenburg - hat mit seinem Team eine gut durchdachte Organisationsform und Struktur entwickelt. Sie hat sich bewährt und zwar nicht nur auf dem Papier. Unternehmen wie CREE beweisen dies jeden Tag. Oder in Anjas Worten: „Soziokratie funktioniert!“ Wie genau? Das kann die Soziokratie Expertin selbst sicher besser erklären als ich. Die gute Nachricht ist, sie gibt immer wieder mal Einstiegskurse. Ein Besuch lohnt sich – in jedem Fall.

 

Simone Vögel, Bankkauffrau

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Anja Ritter | Soziokratie unternehmen.

Mag. Anja Ritter
Certified Sociocracy Expert CSE
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